Verschwörungstheorien sind Schund!

Freimaurer
Artikel bei Telepolis

Diesmal nichts konkret aktuelles, aber etwas, was sich leider immer größerer Beliebtheit erfreut, auch teilweise in „linken“ Kreisen. Es geht um „Verschöwrungstheorien“.
Und wer kennt sie nicht? Die ganzen verschiedenen Geschichten über die „wahren“ DrahtzieherInnen, die hinter den Anschlägen am 11.9.01 stecken, die Legenden über „Eliten“, die Kriege und Überwachsungreformen nur zu ihrem Vorteil nutzen um die Menschen der Welt zu versklaven. Der Mechanismus, der in diesem Zusammenhang genannt wird, ist die Globalisierung, mit deren Hilfe die „globalen Eliten“ ihre Herrschaft zu einer „Weltregierung“ ausbauen wollen. Doch darauf will ich gar nicht weiter eingehen, wer sich damit auseinandersetzen will, kann ja im Web suchen, schließlich soll es in diesem Beitrag darum gehen, dass dieser ganze Verschwörungskram einfach völliger Schwachsinn ist, der sich meist noch mit (nicht nur strukturell) antisemitischen Anschauungen vermischt.
Doch was bringt Menschen dazu, solche Erklärungen zu glauben? Ich meine, es ist der Wunsch nach einer „einfachen“ Erklärung der Welt, wo es klare Machtstrukturen gibt und wo Verantwortliche klar benannt werden können. Sowas ist für alle leicht zu verstehen und wenn die Welt verstanden ist, lässt es sich auch ruhiger schlafen. Wenn mensch hingegen nichtmal weiß, wie es genau abläuft, dann kommt schonmal Resignation auf, weil ja dann Veränderung sehr schwer wirkt. Sind hingegen eindeutige „Schuldige“ ausgemacht, weiß mensch, wo anzusetzen ist. Welche Gruppe gerade „die Fäden“ in der Hand hält, variiert von Zeit zu Zeit, das Schema ist jedoch immer dasselbe.
Ich würde dem Ganzen aber keinen Beitrag widmen, wenn diese verkürzte Kritik an schlechten Zuständen nicht sehr problematisch wäre. Es ist nämlich so, dass der – meist unerschütterliche – Glaube an Verschwörungstheorien den Blick für wesentlich richtigere Erklärungen vernebelt und somit keine kritische Analyse der Gesellschaft möglich ist. (Wie auch, wenn mensch nur den Blödsinn von „globalen Eliten“ nachplappert?“ Und wo der kritische Blick auf die Gesellschaft, und auch auf die eigenen Ansichten fehlt, ist Tür und Tor geöffnet für reaktionäre Theorien, die „gewisse Gruppen“ als „Übel der Welt“ ausmachen (= struktureller Antisemitismus) oder die eine Stärkung der „nationalen Souveränität“ als Schutz gegen die „BürokratInnen der Globalisierung“ ansehen.
Als AnarchistIn sehe ich natürlich, dass diese Kritik zu kurz kommt, schließlich basiert Herrschaft auf Strukturen und nicht auf Personen, die ja austauschbar (für DemokratInnen: abwählbar) sind, während die grundlegenden Strukturen bleiben. Greift mensch nun Personengruppen an, so werden faktisch nur „Sündenböcke“ geschaffen, deren Absetzung keine grundlegenden Veränderungen der Gesellschaft verursachen könnte, denn erst wenn die Strukturen (für KommunistInnen: Privateigentum an Produktionsmitteln, etc.) einer autoritären Gesellschaft wie der unseren verändert bzw. abgeschafft sind, kann eine anarchistische, freie Gesellschaft entstehen. Aber das ist ja auch nicht das Ziel der meisten VerschwörungstheoretikerInnen, jene wollen eher die „Wiederherstellung“ einer „verfassungsgemäßen Ordnung“ (daher auch die Stärkung der nationalen Souveränität), was selbstverständlich nicht anarchistisch ist, bestenfalls liberal. Deren Ziel ist de facto eher eine „marktwirtschaftliche Demokratie“ als eine wirklich freie Gesellschaft.
Wirklich gefährlich werden die VerschwörungstheoretikerInnen, aber erst dann, wenn sie viele Menschen erreichen und so Einfluss ausüben und die reaktionären Strukturen ihrer Theorien verbreiten können. Denn fast alle rechten und einige wenige linke Theorien basieren auch auf solchen reaktionären Strukturen und wenn diese erstmal verinnerlicht sind, dann bieten diese genügend Anknüpfungspunkte und machen es für emanzipatorische Theorien, die eben kein klares „Feindbild“ haben und die Welt nicht in 3 Sätzen erklären können, sehr schwer. Somit würde dies auch einer Basis für eine emanzipatorische Gesellschaft entgegenlaufen.
Mir ist es sowieso egal, wer an der Regierung ist und welche Unternehmen existieren oder sonstwas, Herrschaft – ökonomisch wie politisch – gehört entgültig abgeschafft und zwar grundlegend und nicht nur oberflächlich. Dies kann nur eine soziale Revolution geschehen und nicht indem mensch nicht existierenden „globalen Eliten“ hinterherläuft.

P.S.: Das Bild zeigt ein Symbol der Freimaurerei, auch oftmals Gegenstand von Verschwörungstheorien, meiner Meinung nach aber eher eine Art „humanistischer Debattierklub“ und bestenfalls nützlich, um sich persönliche Netzwerke zu schaffen.


2 Antworten auf “Verschwörungstheorien sind Schund!”


  1. 1 Christian 11. April 2010 um 21:29 Uhr

    süß … Fachliteratur ist sicher oberflächlich und sucht einfache Erklärungen. Sog. Verschwörungstheorien kommen von Enthüllungsjournalisten die über ihre Erkenntnisse und Enthüllungen dicke Bücher schreiben sind sicher alles nur Spinner und die Bild, das staatliche Fernsehen, die Tageszeitungen haben mit ihrem höchst komplexen und ihrer enorm guten Recherche sicher immer Recht !

    Aber gottseidank sind so Blogs von Spinnern wie dir eh kaum besucht und deine Artikel wirkungslos aber danke dennoch für deinen Versuch anderer dazu anzuleiten sich mit „Verschwörungsspinnereien“ zu beschäftigen.

  2. 2 Andre 23. Januar 2011 um 17:38 Uhr

    Mir war bisher nicht bewusst das auch die Anarchisten schon infiltriert worden sind. Aber danke, jetzt bin ich schlauer!

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