Gegen (nicht ganz) 1000 Kreuze!

viele Kreuze
Heute fand in Münster (NRW) eine Demonstration von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen statt. Sowas darf natürlich nicht ohne entsprechende Gegenaktionen ablaufen, und so wurde die Demonstrationen zeitweise komplett „übernommen“ und später massiv gestört – durch Sprechchöre und Trillenpfeifen. Das war sicher kein sonderlich guter Tag für die radikalen Christ*innen. Nebenbei mischten sich auch noch einige Mitglieder lokaler JN-Gruppen unter die Demonstration. Mit Nazis scheinen diese Christ*innen also keine Probleme zu haben. Auch, wenn die Route der Kreuzträger*innen eigentlich relativ zentral war, waren die Gegenaktionen ein voller Erfolg und die Christ*innen sind sicherlich nicht zufrieden nach Hause gefahren.
Ich kann nicht wirklich verstehen, warum sich überhaupt Menschen diesen christlichen Radikalen anschließen, die nicht nur etwa gegen Abtreibung sind, sondern auch noch Homophobie und Sexismus predigen – anti-emanzipatorischer geht es kaum. Oder ist es derselbe Mechanismus wie bei rechtradikalen Gruppierungen, dass sich Menschen dort aufgenommen und als „Teil von etwas“ fühlen können? Ich kritisiere Religion gerne auch im Allgemeinen, aber besonders diese radikalen Gruppen sind teilweise nicht ungefährlich. In den USA wurden gar Abtreibungsärzt*innen ermordet. Zum Glück gibt es in Europa noch keinen so starken christlichen Fundamentalismus.
Angeblich gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen Kircheneintritten und Hinwendungen zur Religion und wirtschaftlich schlechten Zeiten. Das wäre auch logisch, schließlich gäbe es dann noch einen letzten Strohhalm, der nicht vom eigenen Geldbeutel abhängig ist. Und wenn mensch sich fein an die aufgestellten Regeln hält, gibt es im Jenseits auch eine super Belohung – schon tritt das Leben im Hier und Jetzt in den Hintergrund. Blöde nur, dass das Leben im Hier und Jetzt das einzige ist, was zählt und die Vertröstung auf ein besseres Jenseits nur den eigenen Tatendrang hemmt. Doch nur, wenn jetzt etwas getan wird, kann mensch die Welt zum besseren verändern.
Prinzipiell hätte ich an einem privat ausgelebten Glauben auch nicht viel auszusetzen, doch sind alle Religionen auf die eine Art und Weise immer ausgrenzend. Anhänger*innen anderer Religionen werden nahezu immer ausgeschlossen, meist noch Menschen mit anderer Sexualität und anderen Lebensweisen. So eine Form ausgrenzender Ideologie kann kaum zu einem positiven Ergebnis führen, egal, welche tollen Absichten dahinter stecken mögen. Die Fundamentalist*innen treiben diesen ganzen Irrsinn natürlich noch auf die Spitze.
Wohin diese intoleranten und ewig-gestrigen Einstellungen führen können, zeigt ein Fall aus den USA. Dort wird ein Abschlussball abgesagt, weil eine Mitschülerin angekündigt hat, mit ihrer Partnerin zu kommen und dazu einen Smoking zu tragen. Dazu fehlen mir die Worte, wie kann eine homophobe Diskriminierung denn noch offensichtlicher sein? Ich habe ja in einem früheren Beitrag ja schon darauf hingewiesen, dass Sexismus und Homphobie in dieser Gesellschaft keinenfalls überwunden sind. Und nein, Homophobie und Sexismus sind für mich keine tolerierbaren „Meinungen“. Gegen solche „Ansichten“ wurde heute mit den Störungen der christlich-radikalen Demonstration wenigstens etwas getan, doch das kann nur ein Anfang sein, der Anfang eines sehr langen Kampfes.