Künstlerische (Flash-)Spiele

Canabalt
In Ermangelung anderer Themen will ich einmal ein paar nette Spielchen vorstellen, die in meinen Augen einen gewissen „künstlerischen“ Wert haben, einige davon werdet ihr auch sofort ausprobieren können. Den Anfang macht dabei „Canabalt“. In diesem Jump‘n'Run braucht ihr nur eine Taste, nämlich zum Springen. Ihr rennt vor der Zerstörung eurer Stadt davon und versucht dieser über die Dächer zu entkommen, während ihr dabei Tauben aufscheucht und sogar einigen herabfallenden Satelliten (oder sowas) ausweichen müsst. Der Clou ist die minimalistische Präsentation des Spiels. Es ist bloß in Grauntönen gehalten und auch der Soundtrack wird keinen Preis für besondere Vielfalt bekommen, vermittelt aber trotzdem eine gewisse „Endzeit-Stimmung“. Zudem seid ihr wohl etwas zu spät dran, da ihr als einzige Person überhaupt zu sehen seid (Sind die anderen schon geflohen?) und euren ersten Sprung aus dem Fenster eines Büro-Gebäudes macht. Achja, das Spiel ist übrigens verdammt schwer, ich schaffe es erst nach einigen Anläufen, überhaupt über 1000m zu kommen, alles andere ist in weiter Ferne. Aber trotz seiner einfachen Spielmechanik und der absichtlich minimalistischen Präsentation macht „Canabalt“ wirklich Spaß und hat auch einen gewissen Suchtfaktor.
6 Differences
Ein völlig anderes Spiel, bei dem es nicht auf schnelle Reaktionen, sondern auf gute Beobachtungsgabe ankommt, ist „6 Differences“. Das ist eingentlich bloß ein Spielchen, wo ihr bei 2 scheinbar gleichen Bildern 6 Unterschiede rausfinden müsst. Das wäre an und für sich nichts besonderes, sowas gibt es ja auch in jeder Illustrierten, aber bei „6 Differences“ sind die Bilder nicht statisch, sondern belebt. Und die Situationen, die dort abgebildet werden, wirken nur auf den ersten Blick realistisch, bekommen aber teilweise deutlich surreale Züge. Das ganze wird von einem sehr entspannendem Soundtrack untermalt, der sehr gut zum Spiel passt. Das Spiel selbst ist auch nicht wirklich schwer und ihr könnt pro „Level“ sogar einmal „H“ drücken, was euch einen Fehler zeigt. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert und beruhigend und teilweise auch einfach nur sehr schön.
Braid
Das dritte Spiel ist ein kommerzielles Spiel namens „Braid“. Das ist eigentlich auch „bloß“ ein Jump‘n'Run, die Spielmechanik wird aber durch ein sehr interessantes Element erweitert: Die Manipulation der Zeit. Ihr könnt, wann immer ihr wollt, die Zeit anhalten oder zurückspulen und müsst damit auch einige Rätsel lösen, denn nicht alles reagiert gleich auf die Zeitmanipulation und in den verschiedenen Welten hat diese auch immer andere Auswirkungen. Das ganze ist verpackt in eine Umgebung, die auch einem impressionistischem Gemälde entsprungen sein könnte. Doch nicht nur der Stil ist außergewöhnlich, auch der Held, der eigentlich bloß eine Prinzessin retten will und dabei auch auf die Spuren seiner Vergangenheit trifft, ist eingebunden in eine Geschichte, die zwar nur über Texte erzählt wird, in der es aber um mehr geht als das bloße Erreichen eines Spielziels. Das genial inszenierte Finale trägt dazu bei, den nachdenklichen Unterton des Spiels noch zu verstärken und wirft auch ein anderes Licht auf die Fähigkeit, die Zeit zu manipulieren, aber ich will hier nicht zuviel verraten. Braid ist eigentlich das perfekte Beispiel dafür, dass das Ganze viel mehr sein kann als die Summe seiner Teile.
Samorost
Das letzte Spiel, was ich heute vorstellen will, ist „Samorost“. Samorost ist eine Art Point‘n'Click-Adventure, in dem ihr versucht, die Kollision eures baumstammähnlichen Planeten/Raumschiffes mit einem anderen Raumbaumstamm zu verhindern. Dazu müsst ihr durch Rumklicken ein paar kleinere Rätselchen lösen und Maschinen bedienen. Samorost lebt, ähnlich wie „6 Differences“, nicht von seiner Spielmechanik, sondern vom Stil, der gekonnt reale Abbildungen mit Fantasie vermischt. Das Ganze wirkt weniger surreal, sondern vielmehr wie aus einer anderen Welt, die aber noch einiges mit unserer gemeinsam hat. Samorost lässt sich mit etwas Geschick relativ schnell lösen, aber dafür kostet es ja auch nichts. Es gibt 1-2 Nachfolge-Spiele, „Samorost 2″ und „Machinarium“, die wesentlich umfangreicher sind, aber auch Geld kosten – es gibt aber Demos zum Anspielen.
Das soll es dann auch erstmal für heute gewesen sein mit meinen Spiele-Empfehlungen. Ich selbst hatte mit allen diesen Spielen meinen Spaß und bei 3 von den 4en könnt ihr ja auch selbst sofort loslegen. Was an diesen Spielen aber auch noch besonders ist: Sie wurden alle nicht von großen Entwicklungsstudios mit riesigen Budgets entwickelt, sondern sind teilweise von Einzelpersonen als Hobbyarbeit entstanden. Aber vielleicht gerade deshalb heben sie sich von dem Einheitsbrei, der sonst so auf dem Markt herumschwirrt, deutlich ab und sind alle auf ihre Art und Weise einzigartig. Sie mögen zwar nicht so umfangreich oder technisch ausgereift wie manche Vollpreisspiele sein, aber sie machen sehr viel Spaß. Und das ist es doch, worauf es beim Spielen ankommt :) .