Da wird der Schlüssel einfach weggeworfen

Konsolen
Der Titel mag etwas irreführend sein, aber in diesem Post werde ich mich mit einem der heikelsten Themen überhaupt beschäftigen: Dem Nah-Os… ehh… dem ewigen Kampf „PC gegen Konsolen“. Aber ich will das gar nicht auf die Spitze treiben, sondern einfach mal eine subjektive Gegenüberstellung vornehmen. Anlass ist die Ankündigung von Sony, mit dem nächsten Firmware-Update auch bei den älteren PS3-Modellen die Möglichkeit zu entfernen, ein alternatives Betriebssystem (Linux) zu installieren. Die Gründe dafür sind etwas undurchsichtig, es kann aber im Zusammenhang damit stehen, dass die PS3 vor einiger Zeit geknackt wurde. Auch, wenn es bisher noch keine Schwarzkopien gibt, will sich Sony auf diese Art und Weise vielleicht absichern. Aber dies zeigt doch wieder eine Sache: Konsolen bleiben geschlossene System, wo die User*innen eben nur auf der obersten Ebene bleiben dürfen.
Sicher, auch mit dem PS3-Linux war kein tieferer Zugriff auf die Hardware-Ebene der Konsole möglich und es stand auch wenig Speicher zur Verfügung, dennoch zeigt es, wo der gravierenste Unterschied zwischen PCs und Konsolen liegt: In der Nutzbarkeit. Während beim PC mit der Hardware fast alles gemacht werden kann, was die hergibt, ist mensch bei den Konsolen dazu gezwungen, sich nur in dem Bereich zu bewegen, den die Hersteller*innen vorgeben. Es gibt dort keine alternativen Online-Portale oder Medienplayer, während ich beim PC sogar zwischen verschiedenen Betriebssystemen wählen kann und alles bis auf die unterste Ebene einstellen kann, wenn ich will. Auch wird beim PC nicht vorgeschrieben, was installiert oder abgespielt werden kann, da ist eigentlich alles offen oder es gibt Möglichkeiten es weiter zu öffnen. Ja, die gibt es bei Konsolen auch, aber dazu muss meist erst die Hardware modifiziert werden.
Doch haben diese geschlossenen Systeme auch Vorteile, denn das, wozu sie konzipiert wurden, funktioniert meist auch ziemlich reibungslos. Wenn ich mir also ein Konsolenspiel hole, kann ich davon ausgehen, dass es auf der entsprechenden Konsole ohne Zicken läuft, schließlich wurde es genau dafür gemacht und wenn ich nicht an der Konsole rumgebastelt habe, sollte das allein kein Problem sein, dann muss ich auch nichts mehr einstellen und so. Beim PC hingegen gibt es Millionen verschiedener Hardware-Konfigurationen und Milliarden verschiedener Systeme und da kann immer irgendwas zicken und dann mögen sich irgendwelche Programme nicht und manche Kopierschutzsoftware will, dass ich „Daemon Tools“ deinstalliere und so weiter. Das ist halt der Preis dafür, dass ich bspw. „Daemon Tools“ (ne Software, die virtuelle CD-/DVD-Laufwerke simuliert) installieren kann.
Die große Frage ist ja, was ich von einem System erwarte und was ich mit dem System anstellen will. Reicht es mir, wenn ich keine Kontrolle habe, dafür aber unkompliziert ein paar Dinge nutzen kann (wie etwa beim iPhone etc.) oder will ich auch volle Kontrolle darüber, was wie auf dem System läuft und funktioniert? Beim ersteren reicht tatsächlich eine Konsole, doch wer sich damit nicht zufriedenstellen lässt, muss wohl zu einem PC greifen. Es ist ja sowieso so, dass viele Dinge (surfen, chatten, Office, usw.) nur auf dem PC vernünftig möglich sind und auf anderen Plattformen bestenfalls rudimentär. Auch da könnte es sinnvoller sein, sich auf ein Gerät zu konzentrieren anstatt sich die Bude mit Hardware vollzustellen und dann irgendwann den Durchblick zu verlieren. Aber das ist sicher Geschmackssache.
Der erwähnte Streit dreht sich in erster Linie darum, welches Gerät besser zum Spielen geeignet ist, wo die besseren Titel erscheinen und wo alles mehr Spaß macht. Das will ich hier auch gar nicht beantworten, da ich sonst von den Anhänger*innen der jeweils gegnerischen Fraktion gelyncht werde. Doch es lässt sich wohl nicht leugnen, dass PC-Gaming schonmal besser darstand. Heute erschienen viele PC-Spiele nur noch als Konsolenumsetzungen und auch umsatztechnisch haben die Konsolen den PC nun überall hinter sich gelassen. Tot ist PC-Gaming auf keinen Fall und einige Genres sind quasi pc-exklusiv (Echtzeitstrategie, Adventures, MMORPGs). Es gibt natürlich auch einen Haufen toller Spiele, die nur auf den Konsolen erscheinen, aber meist auch exklusiv für die eine oder andere Konsole, so dass mensch schon alle Konsolen besitzen müsste, um in den Genuss aller genialen Spiele zu kommen und das wäre auf jeden Fall ziemlich teuer.
Ich selbst will mich hier auf keine Seite stellen. Ich zocke gerne am PC und bin eigentlich auch damit aufgewachsen, obwohl ich mal als kleines Kind ein NES hatte – aber ich besitze auch einige Konsolen (und Handhelds), die auch nicht zu verachten sind, gerade wegen den Exklusiv-Titeln oder dem Rumgefuchtel. Und es ist natürlich ein anderes Spielgefühl, mit mehreren auf dem Sofa zu sitzen und sich bei „Super Smash Bros.“ zu verprügeln als alleine mit Headset vorm PC zu hocken und dort Leute zu erschießen („anders“ heißt hier nicht besser oder schlechter). Wobei, Online-Gaming in genau der Art ist ja auch auf den Konsolen angekommen, denn mit 20 Leuten vor einem Fernseher zu sitzen wäre dann auch doch nicht mehr so gemütlich. Hardwaretechnisch nähern sich die Konsolen sowieso den PCs mehr und mehr an, nur die Oberfläche ist halt wesentlich restriktiver – von innen sind das eigentlich jetzt schon PCs.
Wenn ich eine Empfehlung geben sollte, würde ich je nach Gerne-Vorlieben wohl entweder zu einem PC oder zu einer Konsole als Hauptspielgerät raten (Handhelds jetzt mal außer Acht gelassen). Ganz persönlich würde ich eher zum PC tendieren, denn dort gibt es wesentlich mehr zum Spielen als bloß den kommerziellen Mainstream, nämlich auch Indie-Games, sehr viel Freeware und Abandonware und ingesamt eine größere Auswahl, wenn auch nicht unbedingt an neuen Top-Spielen. Und wohl der größte Vorteil des PCs: Schwarzkopien, denn wenn ihr wollt, müsst ihr für kein PC-Spiel bezahlen und bekommt alles umsonst im Netz und das läuft idR auch ohne Probleme – das spart natürlich eine Menge Geld. Ich will hier jetzt keineswegs zum Runterladen aufrufen (das müsst ihr selbst wissen), aber sowas kann zweifellos als Pro-Argument gerechnet werden, wenn auch nicht als legales.
Naja, ich denke, das soll erstmal als Ausflug in die Welt des „Konsolen-PC-Kriegs“ genügen. Und denkt jetzt nicht, nur weil ich mich relativ sachlich ausgedrückt habe und Vor- und Nachteile abgewogen habe, würde es diesen Konflikt nicht geben. Wenn ihr einfach mal in die entsprechenden Foren schaut, werdet ihr schon sehen, dass da echt mit harten Bandagen gekämpft wird und keine Seite auch nur halbwegs glimpflich vorgeht. Diese „Diskussion“ irgendwo anzufangen ist eine Garantie, einen „Flamewar“ auszulösen, der dann in gegenseitigem Beleidigen endet (harmlos ausgedrückt). Womit auch immer ihr spielt, es kommt darauf an, dass es Spaß macht und ihr euch von den Publishing-Firmen nicht mit krassen Kopierschutzmaßnahmen oder DRM-Zeugs bevormunden lasst. Bei den ganzen schwierigen politischen Themen muss es auch mal eine kleine Auszeit geben, und Videospiele halte ich da für eine gute Möglichkeit.


1 Antwort auf “Da wird der Schlüssel einfach weggeworfen”


  1. 1 ld 31. März 2010 um 21:22 Uhr

    Tja, ich glaube ja schon, dass sich Sony damit ein wenig ins Knie schiet (oder hoffe es). Immerhin wurde die PS3 ja auch für andere Zwecke eingesetzt, da die Hardware, also die Blade-Architektur, einfach extrem gut für parallele Berechnungen benutzt werden kann. Z.b. in der Sicherheitstechnik (aka Codes knacken), siehe
    z.B. hier. Sowas kann man einfach nicht mit dem Standard-OS der PS3 umsetzen, da braucht man Kontrolle über die Hardware. Schaun mer mal.

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