
Die Wirtschaftskrise und der erste afro-amerikanische Präsident haben auf die US-amerikanische Bevölkerung in Teilen ziemlich negative Auswirkungen: Im letzten Jahr gründeten sich so viele militante „Patriot“-Gruppen und rassistische Gruppen wie seit den 1990ern nicht mehr. In diesen Gruppen, die zum Teil auch radikal christlich geprägt sind, sammeln sich u.a. auch Verschwörungstheoretiker*innen und „Rechtsextreme“. Da dies in den USA erlaubt ist, sind vor allem die „Patriot“-Gruppen auch voll bewaffnet und haben in den letzten Jahren bereits 6 Polizist*innen umgebracht. Manche halten Obama gar für den Anti-Christen oder sehen in der Bundesregierung der USA eine Gefahr für die Freiheit und Pläne, eine Weltregierung einzurichten, die alles kontrollieren könnte.
Solche Gruppierungen gibt es in der Art und Weise nur in den USA, was auch an deren Waffengesetzen und der liberalen Verfassungstradition liegt. Doch so ein Phänomen ist es wert, auch mal genauer unter die Lupe genommen zu werden. Dass Obama nicht bei allen US-Amerikaner*innen beliebt ist, ist wohl bekannt, gerade die Gesundheitsreform hat ihm viele Gegner*innen beschert, die auch von den absurdesten Vergleichen und Vorwürfen nicht zurückschrecken. Die genannten Gruppen gehen jedoch weit über bloße Kritik hinaus, so soll auch aus einem solchen Umfeld ein Anschlag auf Obama geplant gewesen sein und vor kurzem wurden erst viele Mitglieder eine radikalchristlichen Miliz verhaftet, die sich auf den Endkampf (siehe auch das Ende der Bibel) vorbereitete und einen Anschlag auf Polizist*innen geplant hatte.
An dieser Stelle vermischen sich radikale religiöse Vorstellungen mit konkreter Gewalt. So wurden auch in den USA viele Abtreibungsärzt*innen von radikalen Abtreibungsgegner*innen umgebracht – von wegen „Du sollst nicht töten“. Während sich in Europa viele eher vor radikalen Islamist*innen fürchten, die „Terroranschläge“ begehen könnten, haben die USA schon ein konkretes Problem mit radikalen Christ*innen, die Mordanschläge begehen. Wenn diese Gruppen weiter wachsen, werden auch die Opferzahlen steigen, das Problem wird dabei sein, dass es in den USA Millionen solcher Christ-Radikalen gibt und solche Gruppen teilweise einen beträchtlichen Rückhalt in der Bevölkerung genießen könnten.
Und dann diese Sache mit den Verschwörungstheorien, auf die ich selbst schon genauer eingegangen bin, die aber in diesem Falle konkrete gefährliche Ausmaße annimmt, wenn sich bewaffnete Gruppen zusammenfinden, die gegen die Regierung kämpfen wollen – was ich in diesem Fall nicht gut finde, da es konservative/rassistische Gruppen sind. Doch deren Ideologie wird mit den üblichen Verschwörungstheorien untermauert, den Angst-Erzählungen von einer Weltregierung und ähnlichem Schwachfug. Solche Gruppen sind in Europa quasi keine Gefahr, obwohl ich auch schon anderes gehört habe, zumindest sind sie aber auch präsent und es gibt haufenweise Material im Netz zu finden, falls es irgendwen interessiert.
Ich habe ja schon einmal die These aufgestellt (nicht in diesem Blog), dass die USA das Potential haben, als Staat weltweit relativ leicht zusammenzubrechen. Einerseits gibt es dort eine starke freiheitliche Tradition und eine große Skepsis gegenüber zu viel Regierung, außerdem sind die einzelnen Bundesstaaten viel unabhängiger von der Bundesregierung als etwa die Bundesländer in der Bundesrepublik. Wenn es also zu inneren Konflikten zwischen verschiedenen Regionen untereinander oder mit der Bundesregierung kommt, dann in den USA (oder in Belgien). Und solche militanten Gruppen, von denen es wirklich viele gibt, würden dort eine größere Rolle spielen und auch sonst dürfen ja nahezu alle Volljährigen in den USA eine Waffe tragen.
Da neuste Erstarken solcher Gruppen ist sicher beunruhigend, aber es gibt ja auch noch eine große anarchistische Szene in den USA, wenn auch nicht ansatzweise so stark wie diese „Milizen“. Die große Frage ist, ob sich der Trend fortsetzt und sich mehr solcher Gruppen gründen und Anschläge verüben, oder ob sich mit dem Ende der Krise (wenn sie denn vorbei ist) die Menschen wieder besinnen. Es wäre sehr fatal, wenn Obama dasselbe Ende wie Kennedy , Lincoln oder McKinley nehmen würde. Hoffentlich schwappt dieser Trend nicht auch nach Europa und es gibt dann bald auch Millionen radikaler Christ*innen in der BRD (die werden ja schon deutlich mehr) – als ob wir mit den Nazis nicht genug zu tun hätten.
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