Archiv der Kategorie 'Umwelt'

Wiederauferstehung!

Religiös, aber das ist ja die Überschrift auch.
Es ist sicher ein halbes Jahr her, seit ich zum letzten Male auf meinem Blog etwas geschrieben habe und es sah sicher so aus, dass Duab wieder einmal in der Versenkung verschwunden war. Und das war auch so. Doch, regelmäßige Leser*innen mögen sich erinnern, gab es schon einmal eine deutlich längere Pause. Was ich damit sagen will: Duab lebt und ich werde versuchen, in der nächsten Zeit wieder mehr zu schreiben. Dieser Beitrag wird daher nur eine Einstimmung sein, auf das was noch kommen wird. (mehr…)

And the WINNER is…

gegen Gentech
…hoffentlich nicht Monsanto. Der Konzern, der neben seinen sehr kritikwürdigen Geschäftspraktiken vor allem dafür bekannt ist, dass er sich als großer Förderer von gentechnisch verändertem Saatgut einsetzt, hat nun in einem nahezu unglaublich großzügigen Akt der Selbstlosigkeit eine Menge Hybrid-Saatgut für Mais und Gemüse an Haiti verschenkt, welches ja immernoch unter den Folgen des verheerenden Erdbebens leidet. Doch uneigennützige Großzügigkeit wird es bei Monsanto wohl niemals geben, daher ist es selbstverständlich, dieses Angebot und seine Folgen mal genauer unter die Lupe zu nehmen, denn es ist anzunehmen, dass es Monsanto weniger um humanitäre, sondern mehr um ökonomische Zwecke geht. (mehr…)

Kein roter Teppich…

Ölpest
…sondern ein schwarzer ist es, der zur Zeit die Küsten in der Nähe des Golfs von Mexiko bedroht. Dort gibt es gerade aufgrund einer defekten Ölplattform die größte Ölpest der Geschichte der vereinigten Staaten. In einigen Bundesstaaten wurde jetzt bereits der Notstand ausgerufen, aber bisher sind alle Maßnahmen (wie etwa die Abdeckung des größten Lecks mit einer Metallkuppel) gescheitert und auch, wenn sich BP bereit erklärt hat, den Schaden, der entsteht, zu bezahlen, scheint auf die USA doch eine große ökologische Katastrophe zuzukommen, die die Havarie der „Exxon Valdez“ in den Schatten stellen könnte, denn zur Zeit treten etwa 800000 Leiter Öl täglich aus der defekten Bohrplattform aus – und das ist echt mal verdammt viel. Das erste Öl ist auch schon an den Stränden angekommen, mit den entsprechenden Folgen. (mehr…)

Welch schöner Sonnenuntergang!

Sonnenuntergang
Da saß ich doch gestern zur Sonnenuntergangszeit in einem schrecklich hohen Gebäude und sah einen wunderbaren, rot erleuchteten Himmel wie ich ihn zuvor wohl nie gesehen hatte. (Das Foto hat übrigens nichts damit zu tun.) Ich hatte schon davon gehört, doch war es mir in diesem Augenblick nicht klar, dass das unmittelbar mit dem Vulkanausbruch auf Island und dessen Aschewolke zu tun hatte, die sich inzwischen über ganz Europa verteilt und den gesamten Flugverkehr lahmlegt und eventuell sogar das Klima etwas beeinflussen wird. Aber gestern Abend fand ich den Moment einfach nur schön, als der Himmel mal in ganz anderen Farben zu sehen war – was die Folgen des Ausbruchs natürlich nicht herunterspielen soll. (mehr…)

Öl? Das ist doch fossil!

Öltanker
Das Öl ist bald alle, vor allem, wenn irgendwelche Leute es weiterhin umweltschädigend im Meer verteilen. Nicht nur der CO2-Ausstoß durch fossile Brennstoffe (zu denen Öl ja gehört) ist gefährlich, sondern auch der Transport von Öl über die Meere kann bei Unfällen ökologische Katastrophen bedeuten, selbst, wenn nur Öl im Tank der Schiffe ist, denn schon diese Mengen reichen, um ganze Gebiete vollkommen zu verseuchen. Jetzt ist ein Frachter in der Nähe des „Great Barrier Reefs“ (das größte Korallenriff der Welt) auf Grund gelaufen und droht zu zerbrechen, wobei fast 1000 Tonnen Öl ins Meer gespült würden. Wie der Frachter dort hinkam (eigentlich ist doch keine Schiffsroute) und wieso, ist noch unklar, es werden aber schon Vorwürfe gegen die Besitzer*innen des Frachters laut und denen drohen hohe Geldstrafen. (mehr…)

Kapitalismus versus Klima

Klimawandel
Der von Menschen verursachte Klimawandel war lange kein Thema in der Politik, bis diese ihn vor ein paar Jahren für sich entdeckte und es aufgab, die Auswirkungen der Menschheit auf die Umwelt zu leugnen. Doch kaum blieb die Stelle der „Klimaskeptiker*innen“ eine Weile unbesetzt, fanden sich neue Leute, die diese Rolle gerne übernahmen und jetzt eine Verschwörung der Regierungen wittern, die uns allen nur das Geld aus der Tasche ziehen will. Da werden wissenschaftliche Erkenntnisse angezweifelt, eigene Studien an die Front geschickt und es wird sich an jeden Strohhalm geklammert, der die Theorie vom menschlich verursachten Klimawandel widerlegen könnte. Und dann gibt es noch Unternehmen, die Millionenbeiträge dafür ausgeben, dass ihre Ansichten vom Klimawandel (meist, dass es ihn nicht oder kaum gibt) auch die politisch wirksamen sind. (mehr…)

Und sie laufen und laufen und laufen…

AKW
Die Regierungskoalition steht dem schon beschlossenen Atomausstieg bekanntlich eher skeptisch gegenüber. Wie weit diese Skepsis aber geht, zeigt sich nun, da jetzt bekannt wurde, dass die Regierung Laufzeitverlängerungen der Kraftwerke in verschiedenen Szenarien überprüfen lässt. Die möglichen Verlängerungen reichen dabei von Zeiträumen von 4 Jahren bis hin zu 28 Jahren, wobei das letztere eine Gesamtlaufzeit von 60 Jahren für die Atommeiler bedeuten würde. Bisher ist natürlich noch nichts in trockenen Tüchern und die Regierung dementiert auch fleißig, denn richtige Entscheidungen stehen bisher aus und werden sicher auch nicht von der Landtagswahl in NRW im Mai fallen. Dennoch würde es mich keinesfalls wundern, falls sich im Laufe der Legislaturperiode noch ergibt, dass die AKWs in ferner Zukunft abgeschaltet werden. (mehr…)

Kritik des Konsumismus

Konsuuum
Auch, wenn es hart klingt, einer Studie zufolge ist der Ressourcenverbrauch der westlichen Industrienationen so enorm hoch, dass auf diesem Planeten höchstens etwa 2 Milliarden Menschen auf diesem Verbrauchsniveau leben können – nun leben aber schon 7 Milliarden auf der Erde. In der Studie wird weiterhin postuliert, dass es massive Probleme geben wird, falls sich nicht die Lebensgewohnheiten von Millionen Menschen ändern. Schon heute werden durch die Menschheit mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde regenerieren kann – was das bedeutet, könnt ihr euch ja selbst ausrechnen. Wie ich schon in meinem anderen Beitrag heute geschrieben habe, geht es hier auch um die Verantwortung jeder*s Einzelnen. Aber auch Konsumkritik ist nicht unumstritten und gilt manchen Linken gar als „anti-emanzipatorisch“.
Aber wir müssen uns hier einfach bloß den Realitäten stellen. Die Ressourcen auf der Erde sind überwiegend endlich und werden verbraucht, sprich: Ihre Vorkommen sinken und viele Ressourcen landen gar sinnlos auf Müllkippen. Wenn die menschliche Gesellschaft in der Form, wie wir sie kennen, also, mit einem höheren Lebensstandard (für möglichst alle Menschen) existieren soll, müssen sich nicht nur Konsumgewohnheiten massiv ändern. Natürlich steht es allen frei, so zu konsumieren wie sie wollen, aber wer sich jedes Jahr ein neues Handy kauft und das alte wegwirft, wirft damit Ressourcen weg, die eben nicht so schnell nachwachsen können und irgendwann ganz verloren gehen. Dabei wäre es wohl auch kein größeres Problem wesentlich höhere Recyclingquoten zu erreichen, wenn dies denn politisch gewollt wäre. Und wie wäre es, wenn die Unternehmen langlebige und zuverlässige Produkte produzieren würden, die nicht 2-3, sondern 20-30 Jahre halten? Aber das liegt sicher nicht im kurzfristigen Profitinteresse, schließlich wäre der Markt dann viel zu schnell viel zu lang gesättigt.
Letztens habe ich im Fernsehen gehen, wie Produktplagiate (in jenem Fall DVD-Player oder sowas) vernichtet worden sind, weil sie Plagiate waren. Die Menschheit geht mit Ressourcen so um, als wären sie unendlich. Sicher, die Plagiate hätten vielleicht auf dem Markt irgendeinem Konzern schaden können, aber nun sind die Rohstoffe, aus denen sie produziert worden, einfach weg und selbst bei vollständigem Recycling wären die verbrauchten Energieressourcen unwiederbringlich verloren. Genauso werden Lebensmittel, die bald ablaufen oder irgendwelche „Macken“ haben, von Supermärkten einfach weggeworfen, damit mensch neue ins Regal stellen kann. Wo kämen wir denn da hin, wenn diese Dinge verschenkt werden würden? (Natürlich kann mensch Containern gehen, aber die Müllcontainer werden auch immer öfter abgeschlossen.) Der Kapitalismus steht einer sinnvollen Versorgung der Menschen einfach diametral entgegen.
Ich kenne viel von der „Kritik an der Konsumkritik“, wo gerne auch mal Adorno etc. zitiert wird ala „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen…“ usw. usf. . Vielleicht wird mir ja auch eine „Verzichtsethik“ vorgeworfen, die einem freiheitlichen Hedonismus entgegestehen würde oder sonstwas. Ich kritisiere hier ja auch gar nicht Konsum (was ja nicht anderes als „Verbrauch“ bedeutet) per se, sondern nur Formen des kapitalistischen Konsums – gegen nachhaltigen und umweltfreundlichen Konsum hätte ich nichts. Aber es ist einfach Fakt, dass maßloser, kapitalistischer Konsum die Ressourcen des Planeten auffrisst wie nichts und das es dadurch auch immer weniger Menschen möglich wird, ihren Lebensstandard zu steigern. Und heute müsste mensch schon gegenlenken, bis es irgendwann noch schwieriger wird, weil dann alle Rohstoffe halb vergammelt auf Müllkippen liegen und wesentlich schlechter wiederverwertet werden können als heute. Ich kann mich als Mensch in einem Industriestaat von dieser Kritik kaum ausnehmen, ich besitze verschiedene Multimediageräte, produziere unfassbar viel Verpackungsmüll und habe, trotz allem, sicherlich einen verantwortungslos hohen Energieverbrauch.
Diese Form des kapitalistischen Konsums zementiert auch die sozialen Missverhältnisse auf der Welt. Wenn die Ressourcen stark begrenzt sind und Wenige sehr viel verbrauchen, dann bleibt umso weniger für den Rest, das ist einfache Mathematik. Wenn sich also in den wohlhabenden Staaten das Konsumverhalten nicht radikal ändert, wird es für alle diejenigen, die nicht auf diesem Wohlstandsniveau leben, immer schwerer, dieses zu erreichen, weil die notwendigen Ressourcen dazu dann irgendwann auf irgendwelchen Müllkippen liegen. Und auch hier macht wieder die Bequemlichkeit der Menschen einen Strich durch die Rechnung. Warum sollten diejenigen, die ein gutes Leben haben, etwas davon aufgeben (müssten sie wahrscheinlich nichtmal) oder ihre Konsumgewohnheiten ändern, damit irgendwelche Unbekannten es auch irgendwann mal etwas besser haben können? Selbst innerhalb der westlich-wohlhabenden Gesellschaften wird schon sehr für den Erhalt des eigenen Status gestritten, dass eine Besserung auf internationaler Ebene hier vollkommen utopisch erscheint.
Zu guter Letzt kann ich hier ja mal eine „Gruppe“ wie die ELF (Earth Liberation Front) loben, die immerhin einige direkte Aktionen gegen eine umfassende Umweltzerstörung unternimmt, was wesentlich mehr ist als eine bloße Umstellung des Konsumverhaltens. Aber ich denke auch, dass wir dieses Problem nicht innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung lösen können, die viel und schnellen Konsum ja propagiert und die Anhäufung von Reichtum belohnt. Erst, wenn solche kapitalistischen Grundsätze abgeschafft worden sind und es eine andere Form der globalen Wirtschaftsordnung gibt, können diese Probleme erst wirklich effektiv angegangen werden. Dann gibt es hoffenlich auch eine Chance für die vielen Milliarden Menschen, die heute im Elend leben, ein menschenwürdiges Wohlstandsniveau zu erreichen, eben genau weil diese Weltwirtschaft dann nachhaltig funktioniert und die Umwelt achtet. Vorher werden alle Versuche, dies zu ändern, an den Mechanismen des heutigen Systems gnadenlos scheitern.

Last, but not least…

Nach ewiger Wartezeit und naja, privaten Angelegenheiten werde ich den heutigen Tag dazu nutzen, dieses/diesen (wie isses denn richtig?) Blog wiederzubeleben und hoffen, dass er/sie/whatever ein paar Leser*innen findet. Ich selbst muss dazu natürlich auch was beitragen, durch Agitprop und gute Zureden und natürlich eigene, lesenswerte Beiträge (die hoffentlich min. 1mal die Woche kommen). Die werden sich wie zuvor meist auf bloglike Kommentare zu tagespolitischen Themen beschränken. Wenn ich mal irgendwo war und es mir lohnenswert erscheint, gibt es auch ein paar Vor-Ort-Berichte, wobei ich mir einen Dresden-Rückblick sparen werde, davon gibt es auf jeden Fall genug.
Sonst muss ich mal schauen, wie ich die Link-Sektion updaten werde, und ob ich mal etwas über Videospiele aus anarchistischer Sicht schreiben werde, vielleicht auch einfach mal aus persönlicher Sicht ;) .

So, dann wünsche ich Euch allen viel Spaß mit dem wiederbelebten undogmatischen Anarcho-Blog!

Der anarchistische Jahresrückblick

Silvesterbumm

Als kleines Schmankerl will ich Euch allen heute mal einen netten, anarchistischen Jahresrückblick präsentieren. Dieser erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit, ich werde sicher das eine oder andere vergessen und die Dinge sicher auch nicht in der richtigen Reihenfolge aufzählen. Viel lieber gehe ich anhand verschiedener Themenfelder das ganze Jahr ab und gebe meinen Senf dazu. (Senf ist übrigens recht lecker…) Bevor ich mich also in das allgemeine Neujahrgetaumele stürze, hier nun der erste Beitrag dieses Jahr… und es geht eigentlich nur um 2008…

Beginnen wir doch ganz am Anfang, denn seit dem 1. Januar 2008 ist die Vorratsdateinspeicherung in Kraft. Für die meisten Leute, die „nichts zu verbergen“ haben, ist das natürlich nicht weiter schlimm, aber für Leute, die noch etwas von Grundrechten und Privatssphäre halten, ist es schon ein derber Eingriff in dieselben. Aber wenn es um die Bekämpfung imaginärer TerroristInnen geht, so muss es dem Staate doch gestattet sein, alle BürgerInnen zu überwachen, egal wie sinnlos und aufwendig. Dazu passt es ja auch, dass Ende dieses Jahres nun auch das BKA-Gesetz verabschiedet wurde. Bei den ganzen Terroranschlägen in der Bundesrepublik ist es ja auch notwendig, dass die Behörden mehr und mehr Befugnisse bekommen und das BKA langsam zu einer bundesweiten Polizeibehörde mit geheimdienstlichen Fähigkeiten umgebaut wird. Wer diese Anschläge leugnet, ist selbst einE TerroristIn! Wären diese beiden Maßnahmen nicht genug, geisterten das Jahr über noch absurde Ideen wie dieser „Nackt-Scanner“ an Flughäfen sowie – mal wieder – der Einsatz der Bundeswehr im Inneren.
Aus anarchistischer Sicht also kein gutes Jahr, was die Überwachung angeht. Hier wird nur weiter ausgebaut, mehr Kompetenzen gegeben und alle Menschen unter einen Generalverdacht gestellt. Ob dadurch TerroristInnen gefangen werden? Wohl kaum. Vielmehr richten sich die Maßnahmen nach innen, auch gegen die eigene Bevölkerung, die in Zeiten der Krise und größerwerdende soziale Ungleichheit auch eine Bedrohung für die Regierung darstellen könnte. Und wahre GegnerInnen des Staates wie AnarchistInnen? Für uns wird das Klima auch nicht besser, Verschärfung der Versammlungsgesetze in Bayern und Baden-Württemberg und bald auch in Niedersachsen. Auch das passt in die Reihe der Schaffung eines Präventionsstaates. Aber lieber gar nicht weiterdenken… nach der Einführung der Wahlmaschinen wird es sowieso nur noch SPD- oder CDU-geführte Regierungen geben…

Befassen wir uns lieber mit den Nazis und anderen NationalistInnen. Schließlich gab es dieses Jahr wieder ein Ereignis, was die Herzen der ganzen IdiotInnen berührte: Die Fußball-EM. Und da schafft es das hiesige Nationalteam natürlich auch noch ins Finale – umso mehr Fahnen wehten, umso mehr musste Menschen kotzen. Zum Glück ließen sich zumindest diese Autofähnchen leicht entsorgen. Hoffentlich wird das nicht auch bei der nächsten Fußball-WM wieder so, weil langsam nervt es. Dieser popelige Fußball-Nationalismus ist zwar noch keine Bedrohung, doch ein ungezwungener Umgang mit dem ganzen nationalen Gefasel kann schon der Anfang für einen „richtigen“ Nationalismus sein. Zum Glück wurde das Finale von denen dann verloren – wer weiß, was sonst noch gekommen wäre. Und zum schwarz-rot-gelben „Public Viewing“ äußere ich mich einfach nicht, das ist mir einfach zu dumm.
Das nächste Ereignis im Themenfeld „Nationalismus“ ist wohl der großer Naziaufmarch am 1. Mai in Hamburg, wo „autonome NationalistInnen“ JournalistInnen angriffen und sich auch sonst sehr aggressiv verhielten. Auch sonst kamen viele Nazis zusammen um ihre menschenverachtende Ideologie zu präsentieren. Trotz vielfältigen Engagements ehrgeiziger AntifaschistInnen konnte der Aufmarsch nicht völlig verhindert werden, dafür war die Anmelderoute der Nazis unbegehrbar. Dazu kommt, dass immerhin die Busse der Nasen „etwas“ beschädigt worden sind und so teilweise nicht mehr nutzbar waren. Auch die Bullerei hatte den ganzen Tag viel zu tun, aber zum Glück wurden nicht allzu viele Leute festgenommen. Was interessant ist: Trotz großer „Randale“ und viel Sachschaden gab es nicht so große Schlagzeilen wie am 2.Juni ’07 in Rostock, wo wesentlich weniger passiert ist. Aber hier ging es ja „nur“ gegen andere Staatsfeinde, vielleicht ist das dem Staate ganz recht.
Zu schlechter Letzt gab es noch den desaströsen „Anti-Islam-Kongress“ in Köln im September. Dieser wiederum konnte durch vielfältige Aktionen verhindert werden und die Nazis sahen kein Land. (Teilweise auch wörtlich als sie auf einer Fähre festsaßen.) Ein wahres Debakel für „Pro-Köln“, schließlich waren Nazis aus ganz Europa angereist wovon einige nichtmal den Flughafen verlassen konnten. Alles in allem also ein gelungener Tag ;) . Hier nochmal einen ganz herzlichen Dank an alle BürgerInnen und AntifaschistInnen, die mal praktisch gezeigt haben, wie mensch mit Nazis umzugehen hat.

Was gabs noch? Nicht zu vergessen wäre da etwas, was viele Leute positiv aufhorchen ließ, was aber vielleicht gar so positives Ereignis war: Die Banken- und Finanzkrise. Von den einen als „Ende des Kapitalismus“ gefeiert, von den anderen als „Renaissance des Staates“. Und dort ist das Dilemma: Während auf der einen Seite unzweifelhaft wieder einmal bewiesen wurde, dass der Kapitalismus mit immer wiederkehrenden Krisen behaftet ist und das die Weltwirtschaft sich zum Teil völlig von der Realität abgekoppelt hat, steht auf der anderen Seite die Forderung nach einem „starken Staate“. Es ist sicher schön, wenn dort mal wieder der Kapitalismus einen Tritt bekommt, was ja auch die Hoffnung auf sein Ende verstärkt, aber dazu bedarf es schon Krisen, die selbst die Krise Ende der 1920er in den Schatten stellen und die haben wir wahrscheinlich trotz der drohenden globalen Rezession wohl nicht. Und in der BRD folgte auf die schlimmste Krise des Kapitalismus auch bloß der Faschismus.
Und grade diese Forderung nach dem „starken Staat“, die auch aus einigen linken Ecken zu hören ist, ist eigentlich eine höchst reaktionäre. Wenn es die Banken nicht können, soll es der Staat also können? Wo ist da die Logik? Den einen Herrschaftsmechanismus durch den anderen zu ersetzen ist für AnarchistInnen sicherlich keineswegs sinnvoll. Doch scheint das Vertrauen in „Vater Staat“ ungebrochen zu sein, denn solche Forderungen stoßen bei vielen BürgerInnen auf ein offenes Ohr. Die Lösung sollte jedoch sein, den Menschen wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben und Selbstverwaltung und ähnliches zu förden und zwar nicht in einem liberalen Sinne, wo der Mensch sich auf einem Markt behaupten muss, sondern vielmehr in einer solidarischen und freien Gesellschaft. Diese ist jedoch nicht zu erreichen solange Regierungen und Staaten existieren.
Sicherlich beschäftigte sich auch der G8-Gipfel in Japan mit der Krise und versuchte Maßnahmen zur Eindämmung zu finden. Und wie bei allen G8-Gipfeln gab es auch wieder Proteste, wobei die in Japan nicht so groß waren wie im Jahr zuvor. Die Repressionsmaßnahmen der Polizei hingegen waren nicht mehr zu beschreiben. So wurde der/die FahrerIn eines Lautsprecherwagens festgenommen, weil sie/er es sich erlaubt, zu hupen – und diese Festnahme lief nicht allzu friedlich ab. So wurden auch Internationals belangt, weil sie auf der Demo mit mehr als 4 Personen in einer Reihe gingen, was in Japan da gerade nicht gestattet war. Na hoffen wir, dass sich sowas nicht bei uns durchsetzt. Dazu kommen in Japan noch Gesetze, die eine verdachtsunabhängig Festnahme bis zu 2 Wochen (oder so) erlauben. Da sollte vielleicht mal etwas passieren, jedoch ist dort bei der Mainstream-Bevölkerung Protest noch weniger geachtet als hier. Nun denn, der Weg wird nicht leicht sein…

Aber es gab ja nicht nur Schlechtes und nerviges im Jahr 2008. Hier und da gab es den einen oder anderen Lichtblick, gelungere Aktionen und erfolgreiche Proteste. Und über die muss ja auch berichtet werden.
Sommerzeit ist Campzeit und so gab es vergangenes Jahr ein großes Klima- und Antiracamp in Hamburg. Dieses war schon im Vorfeld als „Chaos-Camp“ betitelt worden, schließlich war geplant sowohl der Flughafen zu blockieren als auch die Baustelle des Kohlekraftwerks Moorburg zu besetzen. Und auch wenn die Baustellenbesetzung leider nicht so lief wie geplant, fanden sich doch einige Leute zusammen, die gemeinsam solidarisch auf dem Camp lebten, lecker kochten, und sich viele verschiedene Workshops anhören konnten. Solche Camps sind immer etwas schönes und lassen eineN den Hauch einer neuen Gesellschaft atmen, wenn auch nur im Kleinen und in Zelten. Und auch wenn das Wetter nicht ganz auf unserer Seite war, so würde ich das Camp insgesamt als Erfolg bezeichnen, schließlich musste die Polizei vor Moorburg so einiges auffahren und war sich auch nicht zu schade, wie immer, mal auf Grundrechte zu scheißen und eine angemeldete Kundgebung einfach anzugreifen und ebenso konnten beim „fluten“ des Flughafens einige Menschen ins Innere gelangen und antirassistische Aktionen durchführen.
Und zur kalten Jahreszeit ging es weiter, denn kommt Herbst, kommt Castor. Doch der diesjährige Castor wurde von Protesten begleitet, die so zahlreich und energisch waren wie lange nicht mehr. Vielleicht lag es auch daran, dass es letztes Jahr keinen Transport gab, jedenfalls fanden sich tausende Menschen zusammen, die auch nachts ausharrten und sich auf Straßen, Schienen und vor Tore setzen um den tödlichen Mteallbehälter zumindest etwas zu verzögern. Und auch das war sehr erfolgreich: Nicht nur, dass sich viele beteiligten, der Castor kam auch mit einer immensen Verspätung an, mit um die 12 Stunden! Zwar wurde der Transport nicht verhindert, aber das kann mensch ja nächstes Jahr noch versuchen, denn Kreativität und Einfallsreichstum gab es dieses Jahr schon zur Genüge. Und entgültig muss es auch klar sein, dass es niemals ein sicheres Endlager geben kann und diese veraltete Technologie jetzt mal endlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.
Und im November erhoben sich im Lande auch mal die SchülerInnen um gegen eine miese und veränderungsbedürftige Bildungspolitik zu protestieren. So gab es einen bundesweiten Schulstreik und viele überregionale Demos, zu denen sich zehntausende auf den Weg machten. Hier und da wurde auch mal nicht mehr auf die Polizei gehört und etwas ging zu Bruch. Wie eine kaputte Glasscheibe am niedersächsischen Landtag gleich „Randale“ sein kann, verwundert doch sehr, aber war für die Medien doch gleich ein gefundenes Fressen, schließlich ist Protest nur gestattet, wenn er harmlos und wirklungslos bleibt. Aber hier hat sich vor allem gezeigt, dass es auch abseits der „Szene“ genug Menschen mit politischem Bewusstsein gibt, die mensch nicht ausschließen sollte, auch wenn sie sich nicht immer schwarz anziehen und noch nicht mit allen „Szene-Ritualen“ vertraut sind und noch nicht alles von Bakunin und Kropotkin gelesen haben.

Und zu guter Letzt gab es am Jahresende noch ein Ereignis, was Hoffnung und Trauer, Wut und Verzweiflung verbindet wie kein anderes: Der Aufstand in Griechenland. Hier wurde der 15jährige Alexis von einem Bullen erschossen und daraufhin entzündeten sich in Griechenland wochenlange und militante Proteste, die sich nicht mehr nur gegen überzogene Polizeigewalt richteten, sondern auch gegen den Staat und seine Unfähigkeit und seine Korrption. Schließlich sind große Teile der griechischen Jugendlichen arbeitslos oder finden nur unterbezahlte Jobs. Da verwundert es auch nicht, dass sich wiederum große Teile der gesamten Bevölkerung mit den Protesten solidarisierten, auch wenn dort mal das eine oder andere Geschäft ausbrannte, immerhin konzentrierten sich die Aufständischen ja auf größere Läden und Banken sowie Gebäude des Staates. Dass so etwas in Europa noch möglich ist, führt auch den AktivistInnen hier vor Augen, dass noch nicht alles verloren ist, dass es noch Chancen auf Veränderung gibt.
Doch auch den Regierungen wurde hart vor Augen geführt, was passieren kann, wenn sich die soziale Schere noch weiter öffnet. Ein breiter Aufstand, militant und trotzdem getragen von der Masse der einfachen BürgerInnen wäre mehr als nur eine Staatskrise, der Hauch einer Revolution würde in der Luft schweben. Doch sollte mensch vor lauter Träumen nicht die Gegenseite aus den Augen verlieren, schließlich haben mehr und mehr Überwachung und auch der Einsatz von Armeen im Inland somit sicher einen Sinn. Doch Griechenland macht Hoffnung, so würde sich dort auch die Mehrheit der SoldatInnen weigern, gegen eigene Leute zu kämpfen und nicht umsonst gab es nach der einen und anderen Revolution „ArbeiterInnen- und SoldatInnenräte“.

Fürs nächste Jahr könnte mensch sich also so einiges Wünschen: Mehr Aufstände, mehr Protest auf neuen Wegen abseits angemeldeter Demos, kreativ und klandestin und auch „etwas“ radikal ;) . Schließlich steht so einiges an: G8 in Italien, NATO-Gipfel in Straßburg/Kehl, Naziaufmarsch am 1. Mai in Hannover, wahrscheinlich ein weiterer Castortransport und Wahlen fürs Europaparlament und für den Bundestag. (Anstatt dort seine Stimme abzugeben sollte mensch diese Wahlen kreativ stören oder irgendwie anders Aufmerksamkeit erregen und auf den ganzen Nonsens des Parlamentarismus hinweisen, Gelegenheit gäbe es ja genug.)
Also, auf auf in ein neues, (hoffentlich) anarchistisches 2009!