Archiv der Kategorie 'Veganismus'

Denn wir sind, was wir essen

Sieht lecker aus
Essen ist immer ein sehr emotionales Thema, dabei ist es neben Atmen und Schlafen eines der grundlegensten Dinge des Lebens. Doch im Kapitalismus hat sich um das leckere Schlemmen eine ganze Nahrungsmittelindustrie entwickelt, bei der nicht mehr die Versorgung mit Nährstoffen im Mittelpunkt steht. Nebenwirkungen davon sind der erhöhte Ausstoß von Klimagasen, Wasserverschmutzung, Welthunger, falsche Ernährung, millionenfaches Tierleid und noch vieles mehr. Nun habe ich neulich einen Artikel zum Thema gelesen, der eine Art Rundumschlag darstellte und verschiedene Aspekte ansprach und das hat mich auch zu diesem Beitrag inspiriert – außerdem esse und koche ich gern und bin weiterhin der Meinung, dass Nahrung nicht etwa etwas unpolitisches ist, sondern auch eine politische Dimension besitzt. (mehr…)

Wir haben eine Wa(h)l!

Mord
Seit Jahrzehnten ist der „Walfang“ global eigentlich schon verboten und nur zu „wissenschaftlichen“ Zwecken erlaubt, dennoch hat das Morden bisher nicht aufgehört und bedroht immer mehr den Bestand der Meeresriesen. Nun versucht die IWC (Internationale Walfangkommission) mit einem Kompromiss die Wahlfangnationen dazu zu bringen, den Walfang langfristig aufzugeben, u.a. indem der kommerzielle „Walfang“ (besser: Walmord) wieder erlaubt wird, allerdings mit stark sinkenden Quoten. Traditionell stehen sich die Pro- und Contra-Positionen unversöhnlich gegenüber und auch diesmal scheint eine Einigung utopisch, trotz des angebotenenen Kompromisses. Doch sollten bei allen Verhandlungen die Interessen der Wale im Vordergrund stehen und die ließen sich nur mit einer Maßnahme vertreten: Dem sofortigen Stopp jeglichen Walmordes. (mehr…)

Damals wie heute

Landwirtschaft
Heute gibt es mal ein konkreteres Thema: Es geht nämlich eine Form des Neokolonialismus in manchen afrikanischen Staaten. Dabei handelt es sich um das sogenannte „Land Grabbing“, also das Aufkaufen von Land durch irgendwelche Unternehmen (oder Staaten), so dass die lokale Agrarwirtschaft ihrer wichtigsten Grundlage beraubt wird. Nachdem in den letzten Jahren die Nahrungsmittelpreise stark angestiegen sind und eine Trendwende nicht in Sicht ist, kommen immer mehr Unternehmen, aber auch Staaten, auf die Idee, sich irgendwo Land zu sichern, um eigene Nahrungsmittel (meist Getreide) anzubauen, um sich so die Nahrungsmittel-Grundversorgung zu sichern. Das dies den Menschen vor Ort sicher keine besonderen Vorteile bringt sollte klar sein. (mehr…)

Vegane (Oster-)Frühstücksideen

Obstsalat
So, das wird jetzt mal ein Beitrag, der weniger etwas mit Tagespolitik zu tun hat (so wie die ganzen Videospiel-Posts), sondern einfach mal so aus dem Ärmel geschüttelt wird. Da das große christliche Osterfest oftmals mit sogenannten „Oster-Frühstücken“ gefeiert wird, will ich, auch wenn es etwas spät ist, mal ein paar vegane Rezepte anbieten, die auch leicht nachzumachen sind und zudem super zu einem Frühstück passen und schon am Abend zuvor vorbereitet werden können. Selbst, wenn ihr es dieses Ostern nicht mehr schafft, sind solche Dinge doch immer eine gute Alternative und vegane Kochkenntnisse schaden nie. Und Alternativen sind bitter nötig, denn Ostern mit seiner ganzen Ei-Versessenheit ist ja auch total unvegan. (mehr…)

Rundumschlag

Chaos
Zum Anfang vom Ende des Wochenendes gibt es einfach mal ein kleines, unsortiertes Durcheinander von verschiedenen Themen, die für eigene Beiträge nicht umfangreich genug wären. Die Auswahl habe ich auch eher zufällig getroffen, vielleicht es dennoch ganz interessant. Den Anfang mache ich mal mit der Umstellung auf diese „Sommerzeit“, die mir eine Stunde Schlaf gestohlen hat. Es gibt ja sogar im Netz richtige Initiativen dagegen, wo sich Leute massiv aufregen, wie der Staat in die Zeit eingreifen kann und überhaupt. Ich finde diese Umstellung auch nur leidlich sinnvoll und könnte auch gut ohne sie leben, aber es ist mir einfach nicht wichtig genug, um mich näher damit auseinanderzusetzen, da gibt es wesentlich wichtigere Dinge. (mehr…)

Meat is murder! Milk, too.

veganes Schnitzel
Da ich gerade zufällig über einen Artikel bezüglich der Auswirkungen des menschlichen Fleischkonsums gestolpert bin, nehme ich das doch gleich mal zum Anlass, einen kleinen Beitrag zum großen Thema Veganismus zu schreiben. In dem Artikel geht es darum, dass die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen des stetig wachsensen Fleischkonsums zu einem immer größeren Problem werden. Nicht nur, dass die Massentierhaltung knapp ein Fünftel des Co2-Ausstoßes erzeugt, auch die enorme Nutzung von Wasser und Fläche (ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche geht nur fürs Futter drauf) führt zu mehr und mehr Umweltschäden. Eine im Artikel erwähnte Studie weist darauf hin, dass die Menschen ihren Fleischkonsum drastisch einschränken sollen, damit die Schäden nicht noch größer werden.
Nun, drastisch einschränken ist ja schonmal ein Anfang, aber ich fände eine Reduzierung des Konsums von Tierausbeutungsprodukten auf Null am hilfreichsten. Die Masse an Ressourcen, die dadurch dann frei zur Verfügung stehen würde, könnte leicht genutzt werden, um wahrscheinlich einen großen Teils des Welthungers zu stillen. Nicht nur das, auch für die Umwelt wäre es wahrscheinlich ein Segen und eine Co2-Reduktion in einem Maße, die kein Klimagipfel je durchsetzen könnte. Und bevor sich jetzt irgendwelche Leute über gesundheitlichen Folgen echauffieren: Es ist problemlos möglich, vegan zu leben, ohne Mangelerscheinungen zu bekommen – ich lebe ja auch noch. Das einzige, was einen solchen Fortschritt noch verhindert, ist die Bequemlichkeit des Menschen, eine Bequemlichkeit, die den meisten wichtiger zu sein scheint als das Schicksal des Planeten und hunderte Millionen Hungernde.
Ich muss ja auch zugeben, dass die veganen Produkte meist nicht genauso schmecken wie das Aas, was so viele verspeisen, aber sie schmecken auch nicht schlechter, nur eben anders. Für viele ist aber der Geschmack (auch nur ein Produkt der eigenen Sozialisation) so entscheidend, dass sie sich niemals vorstellen könnten vegan oder auch nur vegetarisch zu leben, obwohl es lächerlich einfach ist. Natürlich, hier und da ist es etwas schwieriger, einzukaufen und manchmal auch ein wenig teurer, aber was ist das schon im Vergleich zur Rettung des Planeten. Ich denke, diese Arroganz („Ich esse, was mir schmeckt, was mit dem Rest der Welt ist, ist mir doch egal!“) existiert primär in den westlichen Industriegesellschaften und fällt zusammen mit einer gewissen „Dekadenz“. Bei solchen Einstellungen wundert es mich, dass es nicht noch viel mehr „Terrorist*innen“ gibt, die den „Westen“ hassen.
Aber nicht nur ökologische Gründe sprechen für eine vegane Lebensweise, sondern auch ethische. Wenn wir anerkennen, dass alle Tiere (Menschen sind ja nichts anderes) leidensfähig sind, wie können wir als Menschen so darüber hinwegsehen und sie zu Milliarden umbringen und ausbeuten? Es ist ja nichtmal notwendig, es ist einfach bloß überflüssiger Luxus. Aber was erwarte ich von einer Spezies, die Unmengen von wichtigen Rohstoffen in Waren umwandelt, die jedoch nach ein paar Jahren für immer auf Müllkippen vergammeln? Wenn mensch in seinem Leben einen Weg des „geringsten Leids“ gehen will, dann bleibt eigentlich nahrungsmitteltechnisch nur der Veganismus, denn dadurch sterben nicht nur weniger Tiere, auch durch den geringeren Futterverbrauch werden weniger Pflanzen benötigt, es ist also in jeder Hinsicht „netter“.
Nur scheinen die meisten Menschen nicht in der Lage zu sein, nachzudenken und zu eigenen Schlüssen zu kommen. Die meisten scheinen einfach nur den Normen der kulturellen Hegemonie zu folgen und zu denen gehört halt auch, dass Fleischkonsum u.ä. ethisch unbenklich ist. Aber wieso sollte ich diese Menschen verdammen, mit dem Strom zu schwimmen ist ja auch wesentlich einfacher. Doch sollten sich mal alle über die Konsequenzen ihrer eigenen Handlungen im Klaren sein, und das gilt für jede*n Einzelne*n. Die Verantwortung, die jede Person durch ihren Konsum und ihre Handlungen trägt, kann nicht einfach abgewälzt werden, dieser Verantwortung müssen sich alle stellen. Wenn wir die Chance haben, den Planeten zu retten und den Welthunger zu beenden, müssen wir diese Chance nutzen, sonst sind wir selbst schuld an Hunger, Umweltzerstörung und Tod. Und dafür gibt es absolut keine Ausreden.

P.S.: Das abgebildete Gericht ist übrigens vegan ;) .

Last, but not least…

Nach ewiger Wartezeit und naja, privaten Angelegenheiten werde ich den heutigen Tag dazu nutzen, dieses/diesen (wie isses denn richtig?) Blog wiederzubeleben und hoffen, dass er/sie/whatever ein paar Leser*innen findet. Ich selbst muss dazu natürlich auch was beitragen, durch Agitprop und gute Zureden und natürlich eigene, lesenswerte Beiträge (die hoffentlich min. 1mal die Woche kommen). Die werden sich wie zuvor meist auf bloglike Kommentare zu tagespolitischen Themen beschränken. Wenn ich mal irgendwo war und es mir lohnenswert erscheint, gibt es auch ein paar Vor-Ort-Berichte, wobei ich mir einen Dresden-Rückblick sparen werde, davon gibt es auf jeden Fall genug.
Sonst muss ich mal schauen, wie ich die Link-Sektion updaten werde, und ob ich mal etwas über Videospiele aus anarchistischer Sicht schreiben werde, vielleicht auch einfach mal aus persönlicher Sicht ;) .

So, dann wünsche ich Euch allen viel Spaß mit dem wiederbelebten undogmatischen Anarcho-Blog!

Der anarchistische Jahresrückblick

Silvesterbumm

Als kleines Schmankerl will ich Euch allen heute mal einen netten, anarchistischen Jahresrückblick präsentieren. Dieser erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit, ich werde sicher das eine oder andere vergessen und die Dinge sicher auch nicht in der richtigen Reihenfolge aufzählen. Viel lieber gehe ich anhand verschiedener Themenfelder das ganze Jahr ab und gebe meinen Senf dazu. (Senf ist übrigens recht lecker…) Bevor ich mich also in das allgemeine Neujahrgetaumele stürze, hier nun der erste Beitrag dieses Jahr… und es geht eigentlich nur um 2008…

Beginnen wir doch ganz am Anfang, denn seit dem 1. Januar 2008 ist die Vorratsdateinspeicherung in Kraft. Für die meisten Leute, die „nichts zu verbergen“ haben, ist das natürlich nicht weiter schlimm, aber für Leute, die noch etwas von Grundrechten und Privatssphäre halten, ist es schon ein derber Eingriff in dieselben. Aber wenn es um die Bekämpfung imaginärer TerroristInnen geht, so muss es dem Staate doch gestattet sein, alle BürgerInnen zu überwachen, egal wie sinnlos und aufwendig. Dazu passt es ja auch, dass Ende dieses Jahres nun auch das BKA-Gesetz verabschiedet wurde. Bei den ganzen Terroranschlägen in der Bundesrepublik ist es ja auch notwendig, dass die Behörden mehr und mehr Befugnisse bekommen und das BKA langsam zu einer bundesweiten Polizeibehörde mit geheimdienstlichen Fähigkeiten umgebaut wird. Wer diese Anschläge leugnet, ist selbst einE TerroristIn! Wären diese beiden Maßnahmen nicht genug, geisterten das Jahr über noch absurde Ideen wie dieser „Nackt-Scanner“ an Flughäfen sowie – mal wieder – der Einsatz der Bundeswehr im Inneren.
Aus anarchistischer Sicht also kein gutes Jahr, was die Überwachung angeht. Hier wird nur weiter ausgebaut, mehr Kompetenzen gegeben und alle Menschen unter einen Generalverdacht gestellt. Ob dadurch TerroristInnen gefangen werden? Wohl kaum. Vielmehr richten sich die Maßnahmen nach innen, auch gegen die eigene Bevölkerung, die in Zeiten der Krise und größerwerdende soziale Ungleichheit auch eine Bedrohung für die Regierung darstellen könnte. Und wahre GegnerInnen des Staates wie AnarchistInnen? Für uns wird das Klima auch nicht besser, Verschärfung der Versammlungsgesetze in Bayern und Baden-Württemberg und bald auch in Niedersachsen. Auch das passt in die Reihe der Schaffung eines Präventionsstaates. Aber lieber gar nicht weiterdenken… nach der Einführung der Wahlmaschinen wird es sowieso nur noch SPD- oder CDU-geführte Regierungen geben…

Befassen wir uns lieber mit den Nazis und anderen NationalistInnen. Schließlich gab es dieses Jahr wieder ein Ereignis, was die Herzen der ganzen IdiotInnen berührte: Die Fußball-EM. Und da schafft es das hiesige Nationalteam natürlich auch noch ins Finale – umso mehr Fahnen wehten, umso mehr musste Menschen kotzen. Zum Glück ließen sich zumindest diese Autofähnchen leicht entsorgen. Hoffentlich wird das nicht auch bei der nächsten Fußball-WM wieder so, weil langsam nervt es. Dieser popelige Fußball-Nationalismus ist zwar noch keine Bedrohung, doch ein ungezwungener Umgang mit dem ganzen nationalen Gefasel kann schon der Anfang für einen „richtigen“ Nationalismus sein. Zum Glück wurde das Finale von denen dann verloren – wer weiß, was sonst noch gekommen wäre. Und zum schwarz-rot-gelben „Public Viewing“ äußere ich mich einfach nicht, das ist mir einfach zu dumm.
Das nächste Ereignis im Themenfeld „Nationalismus“ ist wohl der großer Naziaufmarch am 1. Mai in Hamburg, wo „autonome NationalistInnen“ JournalistInnen angriffen und sich auch sonst sehr aggressiv verhielten. Auch sonst kamen viele Nazis zusammen um ihre menschenverachtende Ideologie zu präsentieren. Trotz vielfältigen Engagements ehrgeiziger AntifaschistInnen konnte der Aufmarsch nicht völlig verhindert werden, dafür war die Anmelderoute der Nazis unbegehrbar. Dazu kommt, dass immerhin die Busse der Nasen „etwas“ beschädigt worden sind und so teilweise nicht mehr nutzbar waren. Auch die Bullerei hatte den ganzen Tag viel zu tun, aber zum Glück wurden nicht allzu viele Leute festgenommen. Was interessant ist: Trotz großer „Randale“ und viel Sachschaden gab es nicht so große Schlagzeilen wie am 2.Juni ’07 in Rostock, wo wesentlich weniger passiert ist. Aber hier ging es ja „nur“ gegen andere Staatsfeinde, vielleicht ist das dem Staate ganz recht.
Zu schlechter Letzt gab es noch den desaströsen „Anti-Islam-Kongress“ in Köln im September. Dieser wiederum konnte durch vielfältige Aktionen verhindert werden und die Nazis sahen kein Land. (Teilweise auch wörtlich als sie auf einer Fähre festsaßen.) Ein wahres Debakel für „Pro-Köln“, schließlich waren Nazis aus ganz Europa angereist wovon einige nichtmal den Flughafen verlassen konnten. Alles in allem also ein gelungener Tag ;) . Hier nochmal einen ganz herzlichen Dank an alle BürgerInnen und AntifaschistInnen, die mal praktisch gezeigt haben, wie mensch mit Nazis umzugehen hat.

Was gabs noch? Nicht zu vergessen wäre da etwas, was viele Leute positiv aufhorchen ließ, was aber vielleicht gar so positives Ereignis war: Die Banken- und Finanzkrise. Von den einen als „Ende des Kapitalismus“ gefeiert, von den anderen als „Renaissance des Staates“. Und dort ist das Dilemma: Während auf der einen Seite unzweifelhaft wieder einmal bewiesen wurde, dass der Kapitalismus mit immer wiederkehrenden Krisen behaftet ist und das die Weltwirtschaft sich zum Teil völlig von der Realität abgekoppelt hat, steht auf der anderen Seite die Forderung nach einem „starken Staate“. Es ist sicher schön, wenn dort mal wieder der Kapitalismus einen Tritt bekommt, was ja auch die Hoffnung auf sein Ende verstärkt, aber dazu bedarf es schon Krisen, die selbst die Krise Ende der 1920er in den Schatten stellen und die haben wir wahrscheinlich trotz der drohenden globalen Rezession wohl nicht. Und in der BRD folgte auf die schlimmste Krise des Kapitalismus auch bloß der Faschismus.
Und grade diese Forderung nach dem „starken Staat“, die auch aus einigen linken Ecken zu hören ist, ist eigentlich eine höchst reaktionäre. Wenn es die Banken nicht können, soll es der Staat also können? Wo ist da die Logik? Den einen Herrschaftsmechanismus durch den anderen zu ersetzen ist für AnarchistInnen sicherlich keineswegs sinnvoll. Doch scheint das Vertrauen in „Vater Staat“ ungebrochen zu sein, denn solche Forderungen stoßen bei vielen BürgerInnen auf ein offenes Ohr. Die Lösung sollte jedoch sein, den Menschen wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben und Selbstverwaltung und ähnliches zu förden und zwar nicht in einem liberalen Sinne, wo der Mensch sich auf einem Markt behaupten muss, sondern vielmehr in einer solidarischen und freien Gesellschaft. Diese ist jedoch nicht zu erreichen solange Regierungen und Staaten existieren.
Sicherlich beschäftigte sich auch der G8-Gipfel in Japan mit der Krise und versuchte Maßnahmen zur Eindämmung zu finden. Und wie bei allen G8-Gipfeln gab es auch wieder Proteste, wobei die in Japan nicht so groß waren wie im Jahr zuvor. Die Repressionsmaßnahmen der Polizei hingegen waren nicht mehr zu beschreiben. So wurde der/die FahrerIn eines Lautsprecherwagens festgenommen, weil sie/er es sich erlaubt, zu hupen – und diese Festnahme lief nicht allzu friedlich ab. So wurden auch Internationals belangt, weil sie auf der Demo mit mehr als 4 Personen in einer Reihe gingen, was in Japan da gerade nicht gestattet war. Na hoffen wir, dass sich sowas nicht bei uns durchsetzt. Dazu kommen in Japan noch Gesetze, die eine verdachtsunabhängig Festnahme bis zu 2 Wochen (oder so) erlauben. Da sollte vielleicht mal etwas passieren, jedoch ist dort bei der Mainstream-Bevölkerung Protest noch weniger geachtet als hier. Nun denn, der Weg wird nicht leicht sein…

Aber es gab ja nicht nur Schlechtes und nerviges im Jahr 2008. Hier und da gab es den einen oder anderen Lichtblick, gelungere Aktionen und erfolgreiche Proteste. Und über die muss ja auch berichtet werden.
Sommerzeit ist Campzeit und so gab es vergangenes Jahr ein großes Klima- und Antiracamp in Hamburg. Dieses war schon im Vorfeld als „Chaos-Camp“ betitelt worden, schließlich war geplant sowohl der Flughafen zu blockieren als auch die Baustelle des Kohlekraftwerks Moorburg zu besetzen. Und auch wenn die Baustellenbesetzung leider nicht so lief wie geplant, fanden sich doch einige Leute zusammen, die gemeinsam solidarisch auf dem Camp lebten, lecker kochten, und sich viele verschiedene Workshops anhören konnten. Solche Camps sind immer etwas schönes und lassen eineN den Hauch einer neuen Gesellschaft atmen, wenn auch nur im Kleinen und in Zelten. Und auch wenn das Wetter nicht ganz auf unserer Seite war, so würde ich das Camp insgesamt als Erfolg bezeichnen, schließlich musste die Polizei vor Moorburg so einiges auffahren und war sich auch nicht zu schade, wie immer, mal auf Grundrechte zu scheißen und eine angemeldete Kundgebung einfach anzugreifen und ebenso konnten beim „fluten“ des Flughafens einige Menschen ins Innere gelangen und antirassistische Aktionen durchführen.
Und zur kalten Jahreszeit ging es weiter, denn kommt Herbst, kommt Castor. Doch der diesjährige Castor wurde von Protesten begleitet, die so zahlreich und energisch waren wie lange nicht mehr. Vielleicht lag es auch daran, dass es letztes Jahr keinen Transport gab, jedenfalls fanden sich tausende Menschen zusammen, die auch nachts ausharrten und sich auf Straßen, Schienen und vor Tore setzen um den tödlichen Mteallbehälter zumindest etwas zu verzögern. Und auch das war sehr erfolgreich: Nicht nur, dass sich viele beteiligten, der Castor kam auch mit einer immensen Verspätung an, mit um die 12 Stunden! Zwar wurde der Transport nicht verhindert, aber das kann mensch ja nächstes Jahr noch versuchen, denn Kreativität und Einfallsreichstum gab es dieses Jahr schon zur Genüge. Und entgültig muss es auch klar sein, dass es niemals ein sicheres Endlager geben kann und diese veraltete Technologie jetzt mal endlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.
Und im November erhoben sich im Lande auch mal die SchülerInnen um gegen eine miese und veränderungsbedürftige Bildungspolitik zu protestieren. So gab es einen bundesweiten Schulstreik und viele überregionale Demos, zu denen sich zehntausende auf den Weg machten. Hier und da wurde auch mal nicht mehr auf die Polizei gehört und etwas ging zu Bruch. Wie eine kaputte Glasscheibe am niedersächsischen Landtag gleich „Randale“ sein kann, verwundert doch sehr, aber war für die Medien doch gleich ein gefundenes Fressen, schließlich ist Protest nur gestattet, wenn er harmlos und wirklungslos bleibt. Aber hier hat sich vor allem gezeigt, dass es auch abseits der „Szene“ genug Menschen mit politischem Bewusstsein gibt, die mensch nicht ausschließen sollte, auch wenn sie sich nicht immer schwarz anziehen und noch nicht mit allen „Szene-Ritualen“ vertraut sind und noch nicht alles von Bakunin und Kropotkin gelesen haben.

Und zu guter Letzt gab es am Jahresende noch ein Ereignis, was Hoffnung und Trauer, Wut und Verzweiflung verbindet wie kein anderes: Der Aufstand in Griechenland. Hier wurde der 15jährige Alexis von einem Bullen erschossen und daraufhin entzündeten sich in Griechenland wochenlange und militante Proteste, die sich nicht mehr nur gegen überzogene Polizeigewalt richteten, sondern auch gegen den Staat und seine Unfähigkeit und seine Korrption. Schließlich sind große Teile der griechischen Jugendlichen arbeitslos oder finden nur unterbezahlte Jobs. Da verwundert es auch nicht, dass sich wiederum große Teile der gesamten Bevölkerung mit den Protesten solidarisierten, auch wenn dort mal das eine oder andere Geschäft ausbrannte, immerhin konzentrierten sich die Aufständischen ja auf größere Läden und Banken sowie Gebäude des Staates. Dass so etwas in Europa noch möglich ist, führt auch den AktivistInnen hier vor Augen, dass noch nicht alles verloren ist, dass es noch Chancen auf Veränderung gibt.
Doch auch den Regierungen wurde hart vor Augen geführt, was passieren kann, wenn sich die soziale Schere noch weiter öffnet. Ein breiter Aufstand, militant und trotzdem getragen von der Masse der einfachen BürgerInnen wäre mehr als nur eine Staatskrise, der Hauch einer Revolution würde in der Luft schweben. Doch sollte mensch vor lauter Träumen nicht die Gegenseite aus den Augen verlieren, schließlich haben mehr und mehr Überwachung und auch der Einsatz von Armeen im Inland somit sicher einen Sinn. Doch Griechenland macht Hoffnung, so würde sich dort auch die Mehrheit der SoldatInnen weigern, gegen eigene Leute zu kämpfen und nicht umsonst gab es nach der einen und anderen Revolution „ArbeiterInnen- und SoldatInnenräte“.

Fürs nächste Jahr könnte mensch sich also so einiges Wünschen: Mehr Aufstände, mehr Protest auf neuen Wegen abseits angemeldeter Demos, kreativ und klandestin und auch „etwas“ radikal ;) . Schließlich steht so einiges an: G8 in Italien, NATO-Gipfel in Straßburg/Kehl, Naziaufmarsch am 1. Mai in Hannover, wahrscheinlich ein weiterer Castortransport und Wahlen fürs Europaparlament und für den Bundestag. (Anstatt dort seine Stimme abzugeben sollte mensch diese Wahlen kreativ stören oder irgendwie anders Aufmerksamkeit erregen und auf den ganzen Nonsens des Parlamentarismus hinweisen, Gelegenheit gäbe es ja genug.)
Also, auf auf in ein neues, (hoffentlich) anarchistisches 2009!